Liebesbrief an Mensch

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17 Okt 2016 17:16 #49540 von DerLavendelmann
Liebesbrief an Mensch wurde erstellt von DerLavendelmann
Ich stelle diesen Artikel mal hier rein, schön geschrieben, und lesenswert.Aus der Zeitschrift KGS Berlin. Geschrieben von Katja Neumann

Liebesbrief
an Mensch


Dankbarkeit ist ein wunderschönes Gefühl und
ein nützliches noch dazu. Denn wer dankbar
ist, führt keine Kriege, weder im Innen noch
im Außen. Gepaart mit Liebe und Demut ist
es wohl das, was bei uns mit Glückseligkeit
beschrieben werden kann - und im Englischen
einfach „Bliss“ heißt. In so Vielem steckt die
Schönheit gerade im Einfachen. Übersehen
wir es nicht. Von Katja Neuman


Liebes DU,
lieb sind wir oft nicht, schon gar nicht mit uns selbst,
wir haben es sehr oft nicht einfach miteinander gehabt
und vermutlich wird das auch so bleiben. Weil es so tief
in uns ist. Wir machen uns das Leben schwer, machen
uns Sorgen um alles und oft fehlt es uns an Vertrauen.
Immer wieder sind da diese großen schwarzen Löcher
und das Gefühl von Abgetrenntsein verursacht Traurigkeit
und Einsamkeit.

Unser eigenes Leben hat tiefe Spuren hinterlassen und
wir tragen auch noch das Drama der Ahnen in uns. Groß
-mütter, die vergewaltigt wurden, Großväter, die im Krieg
waren, Eltern, die es eben so gut gemacht haben, wie sie
konnten, aber gut war es oft nicht. Wir haben nicht gelernt,
dass wir einfach da sein dürfen, ohne jemandem beweisen
zu müssen, dass wir etwas leisten, dass wir wer sind.
Die Welt lädt auch nicht eben ein zu bleiben. Nachrichten
verbreiten Angst und Unsicherheit. Täglich sieht
man irgendwo Rauchwolken aufsteigen und Bäume
fallen. Und reich sein müsste man nebenbei auch. Denn
ohne Geld ist es schon gar nichts wert. Und doch sind
wir da. Immer noch.

Was ist Deine Essenz, Dein Antrieb und woher nimmst
Du immer wieder den Überlebenswillen, nein, mehr als
das – den Glauben, das alles gut wird? Warum sitzen wir
immer noch hier und sind wieder aufgestanden, rausgegangen,
um weiterzumachen, um andere anzulächeln
und zu sagen: Alles wird gut, vertrau mir?
Liebes DU, vielleicht weiß Seele es einfach besser?
Vielleicht bringen wir etwas mit, wenn wir hier landen,
dass stärker ist als alle Angst und alles Verzagen. Trotz
aller Widrigkeiten hat doch das Lachen nie aufgehört
und immer wieder kommt die Liebe vorbei und durch
zieht alles mit seinen zarten vielen Wurzeln und die
Hoffnung stirbt zuletzt. Wir denken, es ist sogar anders
herum: So sehr wir uns anstrengen, alles kaputt zu
machen, zu beweisen, dass wir die Stärksten sind und
die Mächtigsten und laut sowieso - gewinnen werden
wir nicht, am Ende siegt immer die Liebe und die
Schönheit. Und dann wird es ganz still in uns.


Denn gegen die Dankbarkeit können wir uns nicht wehren.
Da sitzen wir dann und staunen über den Schmetterling,
der vorbeikommt und wie er es macht, dass er einfach
ist und dabei auch noch so unfassbar schön. Und es ist
ihm egal, dass er einfach ist und es ist ihm auch egal,
dass er schön ist.

Wenn wir nur anerkennen könnten, dass wir Schmerz
nicht mit noch mehr Schmerz heilen können und dass,
wenn wir ihn spüren, es nie nur unser eigener ist. Wir
tun immer so, als wäre unser Drama das größte und wir
haben alleiniges Besitzrecht darauf. Aber nichts gehört
uns allein, auch der Schmerz nicht. Wenn Du hier sitzt
und weinst und nicht weiter weißt, dann sitzen überall
auf der Welt andere und weinen auch. Und wissen auch
nicht weiter. Und sind vielleicht noch ärmer dran als
Du. Es ist nichts falsch an Schmerz, aber es war sicher
nicht so gedacht, dass wir in ihm verkümmern und
krank davon werden. Der Schmerz ist jemand, der nur
vorbeikommen will, die Liebe aber möchte bleiben.
Wir machen es genau umgekehrt.

Dieser wunderbare Planet gibt alles, dass es uns gut
geht, er schenkt uns, was wir zum Hiersein brauchen,
reichlich. Es ist für alles gesorgt, es gibt Liebe und
Schönheit im Überfluss. Aber da sind wir mit unserem
Schmerz und unserem Gefühl von Mangel und Missgunst
im Herzen und sehen es nicht, nehmen ohne danke
zu sagen und mehr als uns zusteht. Wir sind maßlose
Gäste und selbst nicht glücklich darüber.

Liebes DU, was möchtest Du denn wirklich? Wäre es
nicht schön, Dich aufgehoben und geliebt zu fühlen, reich
und sorgenlos und glaubst Du nicht auch, dass es trotz
allem noch möglich wäre? Denkst Du, das kommt einfach
wenn Du weiter furchtbar wütend bleibst auf Dich
und die Welt und all die Ungerechtigkeiten? Wenn alle
anderen Schuld sind an Deinem Dilemma und Du Dich
hinter höchstmöglichen Mauern abschottest? Glaubst
Du, Dinge werden besser, wenn Du Autos anzündest
oder anderen Menschen das Leben schwer machst? Oder
Nachrichten guckst und in der Angst versinkst?


Liebs DU, so wird das nichts. So viel können wir verraten.
Liebes Du, wir sind Du und genaugenommen sitzen
wir alle in einem Boot, nur dass es groß und rund ist
und durch ein ziemlich großes Universum segelt. Wir
haben schon gelernt, dass die Erde keine Scheibe
ist, nur weil wir den Rest nicht sehen können, aber
wir benehmen uns immer noch so. Unser Horizont
ist nicht eben weiter geworden, könnte man meinen.
Aber Seele weiß es besser. Du bist nicht Dein Schmerz
oder Deine Angst, leider weißt Du oft nicht, WIE groß
Du bist. Und wie schön. Manchmal hilft es da, ganz
klein, ganz demütig und ganz still zu werden, einfach
aufzuhören mit dem Wahnsinn, den Du Leben nennst,
aber ein Funktionieren ist – und zu lauschen. Höre auf
den Baum, den Stein, den Vogel, sieh der Ameise zu so
lange Du kannst. Schau auf das viele Leben um Dich,
das einfach ist, seinen Weg ungerührt fortsetzt, auch
wenn Deine Welt stillzustehen scheint.


Es ist nichts verkehrt daran, Tränen zu weinen oder Deinen Schmerz
rauszuschreien, aber dann komm zurück. Zurück ins
Leben, Du kannst Dich eh nicht drücken. Denn es
wird Dich immer wieder zurückholen, einspannen,
Dein Du einfordern, es braucht Dich so wie Du es, um
vollständig zu sein. Wer glaubst Du, bist Du, Dich zu
unsichtbar zu machen, Dich nicht zu kümmern? Nein,
so bist Du nicht gemeint.

Liebes DU, es ist alles da, es ist für Dich gesorgt,
sogar geliebt wirst Du. Alles, was Du Dir wünschst,
ist längst vorhanden. Nur das ANNEHMEN, das musst
Du selbst übernehmen, das können wir nicht für Dich tun.

Lass Dich einladen vom Leben, es möchte feiern
und zwar mit Dir. Sieh das Geschenk, nicht immer nur
das, was es heute nicht gab, denn das wird schon seinen
Grund haben - nur so konnte ja kommen, womit Du
nicht gerechnet hast.
Liebes DU, Du kannst auch GEBEN, das ist überhaupt
eine gute Idee und das kannst Du besser als Du
denkst. Schenk der Mutter Erde Deine Aufmerksamkeit,
singe für sie, trommle für sie, mach einen Krafttiertanz
und rufe die Spirits. So tun es die Schamanen seit
Jahrtausenden und sie irren nicht. Mach es einfach ein
bisschen wie sie. Sei da und wehr Dich nicht, sei simpel
und ehre genau das - die kleinen Momente, die wie
Schmetterlinge sind. Segne Dein Essen und verschenke
Lächeln so viel Du kannst. Und sag: Alles wird gut.
Denn wir alle das sagen, dann kann es das werden.

Danke,
Dein Leben
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