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"Dir geht’s wohl zu gut" - über den Arsch in mir

obdachlos-unsplash


Heute hat mir das Schicksal mal wieder gezeigt, was ich manchmal für ein "a-sozialer" Arsch sein kann. An diesem schwülwarmen Tag im August war schon um 13 Uhr die Luft in Köln zum schneiden. Auf dem Weg durch die Einkaufsmeilen begegnete uns ein gehbehinderter Obdachloser, der mich um Kleingeld bat. Versteckt hinter meinem Sohn auf dem Arm, einer Sonnenbrille und einer gekonnt verborgenen Unsicherheit lässt sich der Mensch gut ignorieren. Mir schenkt ja auch nicht einfach so jemand Geld, wenn ich ihn danach frage. Und überhaupt, für mein Geld muss ich ja schließlich ordentlich ackern. Viele gute Gründe also, in meinem kleinen Kosmos zu bleiben.

Nur ein paar Meter weiter sitze eine weitere Gruppe Strassenbewohner auf dem tiefen Fenstersims einer Bankfiliale. Ein Mann sitzt dort mit seinem schlafenden Hund und einem Kleingeld-Becher vor sich. Die anderen beiden - für ihn wohl fremde Menschen -  sitzen mit etwas Abstand neben ihm. Die Szene dauerte nur wenige Sekunden, haben mich aber die nächsten Momente eingenommen: Die beiden Fremden zeigen auf ein Sixpack Wasserflaschen des Obdachlosen, die vor der brennenden Sonne geschützt halb unter einer Decke verschwinden. Ich blicke zu ihm und sehe, wie er eine zurückhaltende, aber zutiefst freundliche Geste macht, das sich die beiden bedienen dürfen. Dann verschwindet die Gruppe aus meinem Blickfeld.

Es hat mich ein paar Meter Zeit gekostet, zu realisieren, was mir das Schicksal da eben für einen Klaps auf den Hinterkopf gegeben hat.
Nach 5 Metern dachte ich an den gehbehinderten Obdachlosen von eben.
Nach 10 Metern wurde mir bewusst, das ich einen Menschen beobachtet habe, der ohne nachzudenken sein Weniges mit Fremden teilte.
Und nach 15 Metern musste ich innerlich über meinen Egoismus und meine Borniertheit den Kopf schütteln. Ich breche mir wirklich keinen Zacken aus der Krone, wenn ich etwas großzügiger durch die Gassen gehe. Ich bin gesegnet mit dem, wie mein Leben bis heute verlaufen ist. Bepackt mit meinen Einkäufen, dem Handy in der linken und den Haustürschlüssel in der rechten Hosentasche bin doch tatsächlich auf der Sonnenseite des Lebens. Was sind ein paar Euro für Menschen, die beim Spiel des Lebens nicht den besten Wurf gelandet haben? 

Nach 16 Metern habe ich dann auch den Weg zurück zu ihm, seinem Hund und seinem Becher gefunden. Es ist eigentlich ganz einfach. Ich muss nur hin und wieder mal meine Sonnenbrille abnehmen.

 

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DerLavendelmann
Du bist Aufmerksam gewesen, viele Menschen realisieren das nicht was um sie herum geschieht, danke fürs teilen deines - Klaps auf ... Weiterlesen
Dienstag, 03. September 2019 18:20
lyrikus
Diese von dir beschriebene Wahrnehmung und Erkenntnis ist von großer Bedeutung, trotz der hervorschielenden Selbstgefälligkeit zw... Weiterlesen
Mittwoch, 04. September 2019 22:05
continuum
Und schon ist dem schlechten Gewissen wieder genüge getan. Vielleicht schaust du nächste Woche oder besser in einem Monat noch mal... Weiterlesen
Montag, 09. September 2019 14:22
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