Die Liebe in Zeiten von Corona

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Ein Blog-Beitrag von Julia and the Lovebirds

Es ist schon sonderbar, wie ein Virus auch unsere Liebes-Werte innerhalb kürzester Zeit umdreht. Bis vor dem Ausbruch der Krise galten Umarmungen, Küsse, Händeschütteln und körperliche Berührungen aller Art als unumstößlicher Ausdruck von Nähe und inniger Verbundenheit. Nun zwingt uns Corona zum genauen Gegenteil: Empathie ist, wenn wir einen Mindestabstand von 1,5 Metern halten, wenn wir nicht mehr küssen, den anderen umarmen, uns nicht mehr die Hand geben, weder zur Begrüßung noch zur Versöhnung oder zur Besiegelung eines Kontrakts. Es scheint, als wäre unser Sozialverhalten auf den Kopf gestellt. Das Herdentier Mensch gibt die Sicherheit auf, um Sicherheit zu erlangen. Er flieht vor Seinesgleichen, um ja nicht mit Seinesgleichen in Berührung zu kommen. Friseurläden und Nagelstudios werden zusehends leerer, Restaurants, Cafés und Bars ebenso, das kulturelle Leben ist ohnedies schon zum Erliegen gekommen. Wie gehen Paare damit um? Oder Singles, die keine Singles bleiben wollen? Will man einen Unbekannten daten? Wie wirkt sich die gegenwärtige Situation auf Kennenlernportale aus? Als das HIV-Virus die Welt bedrohte, war die Situation ähnlich. Niemand wusste genau Bescheid, jeder verdächtigte jeden, jeder wollte mehr über das Sexualverhalten seiner Nächsten in Erfahrung bringen und fürchtete die Begegnung mit Fremden. Die Krise befeuerte die Krise. Einen Unterschied aber gab es durchaus: Die Weltwirtschaft erlebte keinen Einbruch, die Börsen blieb normal. Hamsterkäufe fanden nicht statt. Wie es weiterging, ist bekannt.

Und nun dies: Ein unsichtbares Teilchen versetzt die gesamte Menschheit in Angst und Panik. Es stellt sich dabei auch die Frage, wie Liebende miteinander umgehen sollen, ob (Ehe)paare, die zusammenwohnen, möglichst Abstand voneinander halten sollen, ob man seinen Freund oder seine Freundin noch ohne Angst küssen kann, ob man, hat man sich z.B. frisch verliebt, mit diesem Menschen schon intim werden sollte, ob es gefährlich ist, zusammen in einem Bett zu schlafen usw.

Meine Antwort hierauf ist eine Frage: Wie würdet Ihr Euch verhalten, wenn Euer Partner oder Eure neue Bekanntschaft Grippe hätte? Nicht mehr und nicht weniger erfordert auch die jetzige Situation.

Bei all der Panik und der Hysterie, die gegenwärtig fast die ganze Welt ergreift, rate ich aber zur Gelassenheit, ohne dabei die Vorsichtsmaßnahmen aufzugeben. Gerade diese haben nämlich einen interessanten Effekt: Je mehr Abstand ich zu meinem Gegenüber habe, umso mehr Nähe kann ich plötzlich zu ihm entwickeln. Je seltener ich ihn sehe, umso größer wird meine Sehnsucht nach ihm. Je weniger wir zusammen sind, umso heftiger wird das Bedürfnis nach Vereinigung. Die Gewohnheit verschwindet, das Neue, Unbekannte wird zur Herausforderung. Wir werden neue Verhaltensweisen im Umgang mit unserem Partner finden: Nicht mehr die Selbstoptimierung und der schöne Schein stehen im Vordergrund, sondern der Erhalt des status quo und die ungeschminkte Wirklichkeit und Wahrheit unseres Selbst. Wir können den anderen (und uns selbst) neu entdecken, wir dürfen das Bekannte und Vertraute aufgeben, um zu neuen Dimensionen im Gegenüber aufzubrechen, vielleicht lernen wir unseren Partner erst jetzt wirklich kennen, da sich die eingeschlichene Gewohnheit verabschiedet hat und die Situation außergewöhnlichen Maßnahmen erfordert. Vielleicht, das hoffe ich, entwickeln wir ein neues Miteinander, eine neue Liebesfähigkeit, eine neue Empathie, ein neues Verständnis füreinander und unsere jeweilige Lebenssituation.

Kurzum: Auch in dieser Krise liegt eine Chance. Diejenige nämlich, dass wir das Äußere weniger ernst nehmen, sondern uns ganz auf das konzentrieren, was wirklich wichtig ist: die tiefe, aufrichtige Liebe zum Nächsten, das Verständnis für die eigene Situation und die des anderen, das Kennenlernen einer ganz neuen Facette unseres Partners, die uns zu einem dauerhaften Zusammenhalt führt.

Und nun noch einmal zurück zur „Liebe in Zeiten von Corona": „Amor vincit omnia", heißt es beim römischen Dichter Vergil, „die Liebe besiegt alles." Natürlich kann die Liebe nicht ein Virus eindämmen, das vermag nur die wissenschaftliche Forschung, aber wir können unsere Oberflächlichkeit besiegen und in die Tiefe gehen, dorthin, wo die Liebe wohnt.

P.S. Die Kirche kennt eine frühchristliche Märtyrerin namens Corona. Sie ist die Schutzheilige des Geldes, der Fleischer und der Schatzgräber und hilft bei Unwetter und – Seuchen. Mir gefällt sie natürlich im übertragenen Sinne als Patronin der Schatzgräber. Denn der größte Schatz, den wir finden können, ist die Liebe. Corona lässt uns ihren Wert neu entdecken.

Eure Julia.

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Kommentare 3

Soul Tree am Sonntag, 15. März 2020 21:46

Sehr interessante Ansicht, wie wahr: Aus Chaos entsteht Ordnung.

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continuum am Montag, 16. März 2020 03:23

Der Kapitalismus und die fortschreitende Überbevölkerung fordert ihren Tribut!

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SamtundSeidig am Donnerstag, 19. März 2020 22:43

Bitte nicht Corona mit einer Grippe vergleichen...

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