Tantra und Dating – funktioniert das?

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​Tantra eröffnet auf ganz besondere Weise neue Räume des Fühlens und Wahrnehmens. Das Erleben des eigenen Körpers und der Sinne steht im Mittelpunkt dieser alten indischen Lehre. Sie schlägt eine Brücke zwischen Spiritualität und Sinnlichkeit, und betont die Polarität und deren Vereinigung zur Ekstase. Doch lassen sich Tantra und Dating vereinen?

Die tantrische Philosophie

Der Tantrismus entstand etwa 500 n. Chr. als eine Art Gegenpol zu der religiösen Auffassung, die sich von der Welt abwandte und in ihr einen Ort voller Übel und Pflichten sah. In den Augen der Tantriker hingegen war sie eine Stätte des Genusses und der Körper ein Tempel Gottes. Die weibliche Urkraft erhielt mehr Bedeutung und war der männlichen gleichgestellt. Rituelle Erfahrungen des Genusses, zu denen auch die Verschmelzung zählt, sowie Meditation sollen dem Menschen helfen, die kosmische Kraft in sich zu erwecken und so vollkommen zu werden. Das Bewusstsein wird erweitert und der Fokus auf die Allgegenwärtigkeit Gottes gelegt. Sexualität ist dabei nur ein Bestandteil von vielen in der tantrischen Philosophie.

Es bildeten sich im Laufe der Zeit verschiedene Richtungen des Tantrismus aus. Dazu gehören unter anderem der linkshändige Weg, der von zügellosen Riten geprägt ist, sowie der rechtshändige Weg, in dessen Vordergrund eher die spirituelle Disziplin steht. In den 1970er Jahren machte sich Tantra schließlich auf seinen Siegeszug in den Westen. In Zeiten der New Age-Bewegung fiel die Lehre auf fruchtbaren Boden, doch es bildeten sich auch rasch Vorurteile.

Vorurteile gegenüber Tantra

​Da "Tantra" kein geschützter Begriff ist, wird er häufig in einem Kontext verwendet, der nichts oder nicht viel mit der ursprünglichen Bedeutung zu tun hat. Das hat dazu geführt, dass zahlreiche Vorurteile und Fehlinformationen kursieren. Wenn du tiefer in die Welt dieser uralten Lehre eintauchen möchtest, lies dir vorab gut unsere Beschreibung durch und fühle in dich hinein, ob es stimmig für dich klingt.

Vorurteil 1: Tantra ist nur hemmungsloser Sex

​Viele Menschen denken bei Tantra ausschließlich an hemmungslosen Sex. Geschlechtsverkehr kann durchaus ein zentraler Bestandteil der Tantrapraxis sein, und natürlich kann es auch darum gehen, sich seinen Hemmungen zu stellen. Aber diese Lehre ist noch so viel mehr und vor allem tiefgehender. Es ist Selbsterfahrung, Loslassen, sich öffnen, und zwar auf eine sehr achtsame Art und Weise.

Vorurteil 2: Tantra-Seminare = Gruppensex-Orgien

​Hartnäckig hält sich auch der Gedanke, dass es sich bei Tantra um esoterischen Gruppensex handelt. Die Lehre wird in der Regel zwar in Gruppen unterrichtet, jedoch ist der direkte Geschlechtsverkehr bei seriösen Anbietern kein Bestandteil des Stundenplanes. Die meiste Zeit über sind die Teilnehmer vollständig bekleidet, nur bei einigen Übungen dürfen die Hüllen fallen. Und jeder geht auch nur so weit, wie es sich gut und richtig anfühlt.

Vorurteil 3: Tantriker sind Sektenanhänger

​Die mystische Aura und das Treffen in Gruppen haben sicherlich mit dazu beigetragen, dass Tantra von einigen als Sekte angesehen wird. Hinzu kommt, dass es tatsächlich sektenhafte Ausprägungen gibt und Tantrismus durchaus Bestandteil hinduistischer Sekten ist. Das setzt die Ausübung von Tantra jedoch nicht mit dem Eintritt in eine Sekte gleich. Es ist wie mit vielen Dingen im Bereich der Spiritualität und Esoterik – jeder kann sie auf seine Weise auslegen und erleben. In erster Linie ist und bleibt Tantra eine Lehre, deren Kern es ist, Körper und Seele in Einklang zu bringen und das Leben mit all seinen Facetten zu genießen.

Besserer Sex durch Tantra

​Die tantrische Philosophie lehrt, den Körper bewusster wahrzunehmen und die eigene Sexualität auch aus einem spirituellen Blickwinkel zu erkunden. Tantrismus bietet einen geschützten Raum, wo sich beide Partner auf Augenhöhe treffen, wie ein inniger Tanz von Shiva und Shakti. Vertrauen und sich öffnen können, stehen dabei ganz klar im Vordergrund. Selbstvertrauen und Kommunikation werden gestärkt. Anders als es häufig bei Sex der Fall ist, steht hier nicht die "Performance" im Vordergrund. Tantra lehrt, das Schöne in allem, in jeder bewussten Erfahrung zu sehen und zu erleben. Der Druck, der häufig auf den Partnern lastet – insbesondere am Anfang einer Beziehung – fällt dabei weg. Es geht darum, den eigenen Körper mit seinen Stärken und Schwächen, Wünschen und Begrenzungen als vollkommen kennenzulernen. Diese Wertschätzung gilt natürlich auch dem Partner gegenüber. Du darfst dich in all deiner Verletzbarkeit zeigen, wissend, dass du in einem geschützten Raum geborgen bist. Körper, Seele und Geist dürfen ihren Einklang finden - und ihn in vollen Zügen genießen.

Tantra und Partnersuche

Das Schöne ist, dass du noch nicht einmal einen Partner brauchst, um einen Tantra-Kurs zu besuchen. Ganz im Gegenteil, es gibt sogar Tantra-Kurse nur für Singles und auch in den meisten regulären Kursen ist man solo gerne gesehen. Die Veranstalter achten so gut es geht darauf, dass Geschlechter gleichmäßig verteilt sind. Tantra-Dating ist also durchaus einen Versuch wert. Natürlich sollte man nicht nur an einem Kurs teilnehmen, um den Partner oder die Partnerin für das Leben zu finden, aber man darf sich ruhig dieser Möglichkeit öffnen. Ein Tantrakurs für Singles bietet in jedem Fall ein sehr interessantes Setting dafür. Schließlich begegnet man sich hier selbst auf eine ganz neue Art und Weise.

Die meisten Kurse sind eine Mischung aus Vorträgen und praktischen Übungen, für die auch das Gegenüber gewechselt werden kann. So kann man durchaus potenzielle Partner kennenlernen und sich hineinspüren, ob die Chemie stimmt. Ist das erste Flämmchen entfacht, steht einem näheren Kennenlernen nichts im Wege. Die meisten Kurse gehen über zwei oder auch mehr Tage, sodass auch außerhalb der Veranstaltung ausreichend Zeit für Gespräche bleibt. Im wundervollen Raum, der während eines Tantra-Single-Kurses geschaffen wird, kann der Grundstein für eine liebevolle und ebenbürtige Beziehung geschaffen werden.

Tantrische Rituale für mehr Intimität in der Beziehung

Hast du deinen potenziellen Partner auf diese Weise gefunden, kannst du davon ausgehen, dass ihr einige gemeinsame Interessen und Werte hegt. Tantrische Rituale können eure Beziehung daher auch weit nach dem Kurs bereichern und für eine besondere Intimität und Nähe sorgen. Vielleicht habt ihr im Rahmen des Kurses schon Rituale kennengelernt, die euch beiden zusagen. Gemeinsam als Paar an Tantrakursen teilzunehmen, kann euch noch weiter voranbringen. Das kann dazu beitragen, die Flamme der Liebe lange am Lodern zu halten.

Hast du schon mal bei einem Kurs mitgemacht? Kannst du dir vorstellen, beim Tantra deinen Herzmenschen zu finden?

​Bild: Dainis Graveris via Unsplash

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